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Familienwochende 2014

Grundaufstellung für das Spiel "Ochs am Berg"

 

Ein besonderes Familienwochenende im Odenwald

Der RV Hessen der DGhK lud zu einem langen Familienwochenende Ende Mai in das Kreisjugendheim Ernsthofen im vorderen Odenwald ein. Am Donnerstag Nachmittag (Himmelfahrt) fanden sich dort 18 Familien ein, zusammen 67 Personen, davon 36 Kinder (19 Mädchen und 17 Jungs) im Alter von 5 bis 14 Jahren.

Los ging's mit dem Beziehen der Zimmer in den 5 Häusern und dem anschließenden gemeinsamen Abendessen.
Über die Tage verteilt gab es einen Musik-Theaterworkshop unter dem Motto "Auf und davon", einen mobilen Seilgarten im Wald und eine Farbenwerkstatt, in der zuerst in der Umgebung Materialien gesucht wurden, aus denen Naturfarben gewonnen wurden, mit denen anschließend kleine Kunstwerke angefertigt wurden.
Ferner eine Wiesenwerkstatt bei der man die Lebewesen, die man auf bzw. in einer Wiese finden kann, untersucht wurden und eine Schokowerkstatt, in der die Kinder eigene Schokolade herstellten, ausgehend vom Rösten der Kakaobohnen bis hin zum fertigen Stück Schokolade.
Außerdem gab es noch eine Fußballwerkstatt, in der man etwas über die Produktion von Fußbällen lernen und sich darin versuchen konnte, selbst einmal einen Fußball aus Einzelteilen zusammenzunähen, was wegen der begrenzten Zeit nicht allen vollständig gelang.
Für die Eltern gab es zwei parallele Gesprächskreise mit je einer fachkundigen Referentin. Zum einen mit dem Thema "Alltag mit Hochbegabten/Umgang mit hoher Sensibilität" und zum anderen mit dem Thema "Kommunikation in der Familie".

Warum war dieses Wochenende für alle Beteiligten ein besonderes Wochenende?
Es war vor allem die nicht alltägliche soziale Konstellation.
Während die Kinder in ihrem normalen Alltag mit ihren überdurchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten in der Regel statistisch vereinzelt leben und nur selten gleichaltrige und "gleichgestrickte" Kinder in ihrer Umgebung haben, mit denen sie sich vorbehaltlos austauschen können, war es hier anders.
Hier waren praktisch alle Kinder "ähnlich gelagert", was diejenigen, die sich schon von früheren Treffen kannten, wussten und diejenigen, die zum ersten Mal dabei waren, bald herausfanden. Hier konnten sie miteinander agieren und reden ohne sich als "Außenseiter" zu fühlen.
Dieses Erlebnis beeinflusste zum einen das Verhalten auf der Freizeit positiv und sicher auch das Selbstbewußtsein für die Bewältigung des Alltags nach der Freizeit.

Die Eltern machten ähnliche Erfahrungen. Sie stellten in den Gesprächen fest, dass Andere durchaus ähnliche Erfahrungen im Umgang mit ihren Kindern machen, wie sie selbst, was eine Familie folgendermaßen zum Ausdruck brachte: "Uns hat es sehr gut gefallen. Es war schön, sich mal total entspannt mit den anderen Eltern austauschen zu können, ohne dass man irgendetwas erklären musste. Es hat wahnsinnig gut getan zu sehen, dass es so ziemlich allen ähnlich ergeht und viele die gleichen Erfahrungen machen bzw. gemacht haben wie wir.
Zum 1. Mal haben wir uns mal verstanden gefühlt. Auch den Kindern hat es wahnsinnig viel Spaß gemacht. Wir waren in dem Seminar von Birgit und wir konnten dort sehr viel "lernen" bzgl. des Umganges mit einem hochbegabten Kind. Auch sind uns viele Sachen jetzt klarer geworden. Man kann sich jetzt doch besser in sein Kind hinein versetzen.
Außerdem war es eine total harmonische Gruppe an Eltern und auch Kindern. Für uns war es ja die 1. Familienfreizeit und sicherlich nicht die letzte."

Auch in einer anderen Richtung hat das Wochenende wohl noch einen längerfristigen Impuls gesetzt: Für die Betreuung der kleineren Kinder waren zwei angehende Grundschullehrerinnen engagiert worden, die vor Beginn ihres Studiums gerade ein freiwilliges soziales Jahr absolvierten. Sie hatten hier die seltene Gelegenheit, überdurchschnittlich begabte Kinder in einer Konzentration zu erleben, die nicht alltäglich ist und dabei sowohl zu erleben, dass man sie als "ganz normale" Kinder wahrnehmen kann als auch einen Eindruck von den besonderen Bedürfnissen dieser Kinder zu erhalten. Dies könnte sowohl ihnen als auch den Kindern helfen, wenn sie in ihrer späteren Berufspraxis das eine oder andere hochbegabte Kind zu unterrichten haben.

Bei einer Feedbackrunde am Sonntag Vormittag wurde von den Teilnehmern der Wunsch artikuliert, ein solches Wochenende bald zu wiederholen. Daraus ergab sich spontan die Idee, ein Folgewochenende für die Teilnehmer zu organisieren, diesmal allerdings ohne vorgegebene Programmpunkte sondern quasi in Selbstorgansation.
Diese Idee wurde am ersten Septemberwochenende in die Realität umgesetzt. In kleinerer Besetzung wegen der zuende gehenden Ferien trafen sich ca. 1/3 der Teilnehmer am gleichen Ort und verbrachten ein entspanntes und entspannendes Wochenende, bei dem die Kinder ihre Kontakte vom vorangegangenen Wochenende vertieften und die Eltern sich z.B. bei einer kleinen Wanderung in der schönen Umgebung über ihre Erfahrungen bei der Umsetzung der Anregungen aus den Seminaren und andere Themen austauschen konnten. Eine Familie gab uns dazu folgende Rückmeldung: "... ganz herzlichen Dank nochmal für das tolle Wochenende. Wir haben es sehr genossen und die Kids haben die Jugendherberge als "ihr" Urlaubsziel für die Ferien auserkoren."

 
Einige Eindrücke vom Musiktheater ...   ... der Schokowerkstatt ...
 
 ... und den Elternseminaren ...    

 

Zur Abrundung noch zwei Erlebnisberichte