Verein » Berichte » Familienwochenende 2012

Familienwochenende 2012

 

 

Familienwochenende in Lauterbach: Steinzeit, Psychologie und Gesang

16 Kinder und ihre Eltern verbrachten Anfang September 2012 ein Wochenende im hessischen Lauterbach. Die dortige Jugendherberge hat sich in den letzten Jahren als Treffpunkt für Harfenisten und Zirkusbegeisterte etabliert. Durch die Zusammenarbeit mit den Pädagogen des Nathea e.V./ Verein Sieben-Meilen-Stiefel ist die Jugendherberge Lauterbach aber auch ein toller Ort für ein Treffen begabter Kinder und Eltern.

Annelore und Michael Schmidt vom hessischen Regionalverein der DGhK organisierten ein Wochenende für Begegnungen und Austausch. Und ganz nebenbei konnten Kinder wie Eltern noch etwas lernen. Oder habt Ihr praktische Erfahrung darin, eine Steinaxt zu bauen, ein Feuer ohne Streichhölzer zu entzünden oder eine Hütte im Wald nur aus dort vorkommenden natürlichen Materialien zu errichten? Oder wisst Ihr etwa, wofür ein Forum Theater gut ist und wie es funktioniert?

Der Freitagabend begann nach Anreise und Essen zunächst mit einer ungewöhnlichen Vorstellungsrunde: Jeder stellte sich in einem Raum, der Deutschland repräsentierte, etwa an die Stelle, wo er zu Hause ist und erzählte ein wenig von sich. Eine Ballung fand sich natürlich im Frankfurter Raum, nicht weiter ungewöhnlich, da es sich ja um eine Veranstaltung der hessischen DGhK handelte. Dennoch wurden auch wir drei in Bayern lebende Preußen gut integriert.

Alle Kinder stellten anschließend eines ihrer Hobbys vor; von beliebten Büchern, verschiedenen Musikinstrumenten, Sportarten und speziellen Computerspielen berichteten sie. Das Spielen und weitere Kennenlernen stand den Rest des Abends im Mittelpunkt. Jeder hatte sein Lieblings-Gesellschaftsspiel oder eine Knobelei dabei. Die vorgeschriebene Nachtruhe der Jugendherberge um 22 Uhr konnten wir so nur knapp einhalten.

Den ganzen Samstag stromerten die Kinder mit einem Umweltpädagogen der „Siebenmeilenstiefel“ und einem Betreuer durch die Wälder. Sie erkundeten gemeinsam das Leben der Steinzeitmenschen. Dabei konnten die Kinder selbst nachvollziehen, wie Steinzeitmenschen ein Feuer entfachten und es hüteten, wie sie ihre Werkzeuge schufen, wovon sie sich ernährten und wie sie wohnten.

Während dessen informierten sich die Eltern unter Führung der Psychologin Jutta Nixdorf über das Thema Hochbegabung bei Kindern aber auch Erwachsenen. Hierbei ging es um die zu entdeckenden Ähnlichkeiten zwischen Eltern und Kindern und ihren jeweiligen Entwicklungen. Dieses Erkennen von Ähnlichkeiten löste bei dem einen oder anderen sicher einen Aha-Effekt aus. Manche Eltern näherten sich gerade erst durch ihre Kinder dem Thema Hochbegabung, andere waren schon informiert. Letztlich konnte ein fruchtbarer Austausch angestoßen werden, bei dem jeder von jedem lernte– nicht zuletzt durch die unterschiedlichen Perspektiven.

Unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und so beispielsweise den Standpunkt eines Lehrers im schwierigen Gespräch zum Thema Hochbegabung zu verstehen, war auch am Nachmittag für die Eltern das Ziel, als Ingo Lange vom Nathea e.V./ Verein Sieben-Meilen-Stiefel in das Forum Theater einführte. Dabei nahmen die Eltern in einem Rollenspiel die Stelle des Gegenüber ein, um so die wahrscheinlichen Gefühle und Intentionen des Anderen zu erspüren. Auch die Reflektion des eigenen Verhaltens wird durch das Forum Theater unterstützt. Für mich war dies eine neue und sehr spannende Form des Einfühlens, Spiegelns und Reflektierens im menschlichen Miteinander.

Am Abend entzündeten die Kinder auf Steinzeitart ein Lagerfeuer und hüteten dieses bis in die Nacht. Als Belohnung gab es dann ein leckeres, selbstgebackenes Stockbrot. Eltern und Kinder erfreuten sich am gemeinsamen gitarrenbegleiteten Gesang, der nach kurzer Zeit von einem ebenfalls das Wochenende in der Jugendherberge verbringenden Chor stimmgewaltig unterstützt wurde. Dies bildete den Abschluss eines aufregenden und anregenden Samstags.

Am Sonntag nach einer Runde Geocaching, einer Form der modernen Schatzsuche, durch das Städtchen Lauterbach, dessen Wahrzeichen der Strolch ist, war das Familienwochenende leider schon zu Ende.

Als Fazit bleibt mir nur zu sagen: Liebe Annelore, lieber Michael, bitte organisiert so ein Wochenende auch im nächsten Jahr. Wir kommen sehr gern wieder.

Victoria Stübner, Regionalverein München/ Oberbayern

Die Teilnehmer nach Erreichen des "Finals" beim Geocaching in Lauterbach