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Ferienakademie Experimenta 2012

Experimenta unter Strom

Ganz vorsichtig greift Maxi zum Lötkolben. Noch einmal werden die Haare gewissenhaft aus dem Gesicht gestrichen und dann tropft der Zinn schon auf die kleinen Kontakte und verhärtet langsam. „Fertig“, sagt er und hält sein Werk hoch, eine LED-Lichterkette.

    

Mit dem Motto „Wie kommt der Strom in die Steckdose?“ startete die Experimenta diesen Sommer mit 23 Teilnehmern und sechs Betreuern in die 11. Runde.
Maxi war schon öfter dabei und gehört zu den Kindern, die sich besonders für die naturwissenschaftlichen Themen interessieren. Wissensdurstig saugt er jede Information in sich auf, die er kriegen kann – tagsüber bei den Experimentiereinheiten und abends mit Betreuer Patrick Rath in der Informatik-AG.
Dieses Jahr zog es uns in die Jugendherberge im hessischen Lauterbach, die einsam am Waldrand gelegen nicht nur mit einer großen Grünanlage, gemütlichen Viererzimmern und leckerem Essen wartete, sondern auch zum gefühlt ersten Mal in der Geschichte unserer Freizeit mit guten Wetter bestechen wollte.
Das Experimentierprogramm, das Herzstück der Kinderfreizeit, wurde 2012 von den Stuttgartern Martin Steurer und Gereon Hinz geleitet. Ersterer ist Student der Umwelttechnik, letzterer Doktorand der Technischen Kybernetik und gemeinsam haben sie ein qualitativ hochwertiges Angebot zusammengestellt, das die Experimenta-Kinder bis zum Schluss in ihren Bann gezogen hat. In Gruppen unterteilt gab es viel zu entdecken: Steckplatten für Stromverbindungen (sogenannten Breadboards), kleine Windkrafträder, eine Bastelecke, angeregte Diskussionen in der Debattiergruppe, oder auch halbernste Versuche, das Stromprogramm auf das Online-Spiel Minecraft zu übertragen.
Schon am ersten Tag bittet Maxi: „Spielen wir auch wieder das Zulu-Spiel? Und gibt es wieder eine Disko?“ Beide Aktionen sind in den letzten Jahren zur Experimenta-Tradition geworden und natürlich durften die beiden Elemente auch dieses Jahr nicht fehlen – auch wenn die Disko auf abendliche Musikeinheiten zugunsten des großen Lagerfeuers zum Abschluss verschoben werden musste. „Aber das macht nichts“, freute sich vor allem Sebastian, der mit 14 Jahren zu den Ältesten gehörte, „dafür kann ich am letzten Tag Feuer machen!“

Der gleichaltrige Philip hat vom Einstiegsalter mit 8 Jahren bis zum Schluss jedes Jahr an der Experimenta teilgenommen ist damit gemeinsam mit mir zum Experimenta Urgestein geworden – niemand ist so lange dabei gewesen, wie wir. Volker Nies ist uns aber mit nur einem Jahr weniger als Betreuer dicht auf den Fersen.
Als Fantastic Four haben Rahel Klormann, ich – Leona Hinz, Patrick Rath und Volker Nies das Freizeitprogramm betreut. Neben einigen gruppendynamischen Übungen, besonders im Gedächtnis bleiben wohl die Spinne, bei der die Kinder ihre Fähigkeiten in der Teamarbeit unter Beweis gestellt haben und natürlich unserem Zulu-Dance. Auch die legendären Nudelkämpfe wird so schnell keiner vergessen.
Wechselten sich tagsüber Naturwissenschaften und Freizeit regelmäßig ab, gab es abends immer AGs, in denen die Kinder entsprechend ihren Neigungen aus einem großen Angebot an Aktivitäten wählen durften.
Dauerbrenner – im wahrsten Sinne des Wortes – wurde die Holzbrennerei auf Küchenbrettchen. Aber auch das Tassenbemalen hat nicht nur die Mädchen gelockt. Die Black Stories Gruppe hat sich schnell mit der Freundschaftsbändchen Gruppe vereint, „damit wir auch mal ein Erfolgserlebnis haben“, erklärte AnniLou eines Abends.
Jedes Jahr gibt es einen Tag während der Experimenta, wo ein Ausflug unternommen wird. Dieses Jahr haben wir es sogar gleich zweimal geschafft. Zunächst ging es zu Fuß nach Lauterbach, wo wir die Stadt mit Hilfe einer spannenden Geo-Caching Schnitzeljagd entdeckt haben – abgeschlossen mit einem leckeren Eis in der Altstadt. Zwei Tage später dann, aufgrund der angenehm hohen Temperaturen, ging es ins Schwimmbad, wo die Kinder, aber auch die Betreuer einen Nachmittag lang die Seele haben baumeln lassen.

Schon nach kurzer Zeit merkten wir Betreuer in den Abendkreisen, wie die Experimenta-Teilnehmer entspannten. Wir haben zusammen gelesen, gelacht, gespielt oder einfach miteinander geredet. Eine Woche war dabei fast zu kurz, aber wir sind alle mit einem wohligen Gefühl, neuen Freunden und spannenden Erfahrungen nach Hause gefahren.

Ich persönlich freue mich schon aufs nächste Jahr und bin mir sicher, 2013 wieder einige bekannte Gesichter zu sehen und viele neue, tolle Hochbegabte kennenzulernen!

Leona Hinz